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Archiv für Juni 2012

Design und Lernen

Samstag, 30. Juni 2012

Wie Menschen lernen, lässt sich leider nicht voraussehen. Entsprechend lassen sich Lernprozesse nicht planen. Was sich aber planen lässt, ist z.B. die Realisierung eines Produktes. Prozesse, die zu Produkten führen, nennen wir Designprozesse. Das schöne an solchen Designprozessen ist, dass die daran Beteiligten – quasi beiläufig – zahlreiche Anknüpfungspunkte und Motivationen finden, ihre jeweils spezifischen Kompetenzen weiterzuentwickeln und zu ergänzen.

Abbildung 1: Quelle: Dubberly 2004, S. 3

Lernen wird dadurch sinnvoll und bedeutungsvoll. Durch die Beteiligung an der Umsetzung eines gemeinsamen Produktes geraten die Beteiligten in eine Art kollektiven »Design-Modus«, der die Wahrscheinlichkeit des Auftretens intrinsisch motivierten Lernens erhöht. Das »Dubberly Design Office« in San Francisco hat sich die Mühe gemacht, in der anschaulichen Broschüre »How do you design?«, die wichtigsten Design-Modelle aus unterschiedlichen Kontexten zusammenzustellen, kurz zu erläutern und zu visualisieren.

Bei der Gestaltung von Lernumgebungen und antizipierbaren, kollektiven Bildungsprozessen kann dieser Pool als Anregung dienen, eigene Entwürfe eines Didaktischen Designs zu realisieren. Die Dubberly-Broschüre präsentiert hier Konzepte vom Design Thinking, entwickelt von der Firma Ideo, über Decomposition/Recombination Models von Christopher Alexander bis zur »Comprehensive Anticipatory Design Science« von Buckminster Fuller. Der Download-Link der 147-seitigen Broschüre findet sich am Ende des Beitrags. Im Folgenden einige exemplarische Visualisierungen daraus:

Decomposition/Recombination

Der Decomposition/Recombination-Prozess von Christopher Alexander wird hier vom Verein deutscher Ingenieure genutzt, um eine Methodik zum Entwickeln und Konstruieren technischer Systeme und Produkte zu beschreiben (VDI 2221). Zusammengestellt hat diese Informationen Nigel Cross in seinem Buch »Developments in Design Methodology«.

Abbildung 2: Decomposition/Recombination nach Christopher Alexander,
Quelle: Dubberly 2004, S. 23

Adaptility Loop

Zur Beschreibung der Adaptiltiy Loop zitiert die Dubberly-Broschüre Stephan Heckel wie folgt: „Haeckel proposed this process for managing within a changing environment. At first, it appears to be a classic feedback-based control loop. But the options for action include changing goals and thus suggest a more complex process than is represented in the model.“ (Dubberly 2004, S. 131)

Abbildung 3: Adaptability Loop nach Stephan Haeckel,
Quelle: Dubberly 2004, S. 131

Divergenz-Konvergenz

Das konvergierende Design-Modell von Nigel Cross geht davon aus, das es, in den verschiedenen Iterationsschleifen der Annäherung an das Produkt, auch möglich und notwenig sein kann, zu divergieren. Divergierende und konvergierende Aspekte lassen sich als Oszillation beschreiben. Durch die Fokussierung auf die Lösung konvergiert dieser Oszillationsprozess bis die Lösung gefunden ist.

Abbildung 4: Konvergierender Designprozess nach Nigel Cross,
Quelle: Dubberly 2004, S. 25

Quelle

Dubberly, H. (2004). How do you design ? A Compendium of Models.
San Francisco: Dubberly Design Office.

Links

  • Dubberly: How do you design? (PDF)
  • Dubberly: Design Models
  • Dubberly: Blog
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    Didaktisches Design und die Transformation von Wissen im digitalen Zeitalter

    Mittwoch, 20. Juni 2012

    Es ist vollbracht: der – im Community-Review-Verfahren, sowie vor Ort in der Ringvorlesung in Köln – diskutierte und überarbeitete Text zum Didaktischen Design liegt jetzt als zitierfähiger Volltext vor und steht zum Download bereit. Ich möchte mich hiermit nochmal herzlich bedanken, bei allen 18 Reviewern und den TeilnehmerInnen vor Ort in Köln und Magdeburg, die mich mit absolut hilfreichen Hinweisen und weiterführenden Literaturempfehlungen versorgt haben.

    Bei der Überarbeitung des Textes habe ich mich bemüht, alle diskutierten Fragen zu berücksichtigen, soweit sie dazu beitrugen, die Argumentationslinie des Textes schärfer zu konturieren. Einige Punkte, für deren (Re-)Formulierung ich mir teilweise auch die diskutierten Originaltexte besorgt habe, möchte ich hier kurz hervorheben, um deutlich zu machen, wo die entscheidenden Änderungen und Ergänzungen am Text durchgeführt wurden.

    Innovation

    Martin Lindner und Norbert haben zu recht deutlich gemacht, dass der Begriff Innovation geklärt sein sollte, bevor er zur Definition des Bildungsbegriffs herangezogen werden kann. Entsprechend habe ich einen Abschnitt zum Thema Innovation eingefügt, der sich vor allem auf den Artikel „Die Innovationen der Gesellschaft“ von Werner Rammert stützt. Rammert führt hier aus, warum der klassische, ökonomische Innovationsbegriff dem gesellschaftlichen Wandel nicht mehr gerecht wird und präsentiert eine vorläufige umfassendere Definition von Innovation, die soziale und kulturelle Aspekte der gesellschaftlichen Entwicklung mit einschließt.

    Beschleunigung

    Christoph Schmieding hat – unter Berufung auf Vera King und Hartmut Rosa – darauf hingewiesen, dass, Bildung als permanente Innovation aufzufassen, problematisch sei, wenn man Kings Einschätzung teilt, dass sich durch zunehmende Beschleunigungen in den Generationenbeziehungen die kollektiven Rhythmen des sozialen Lebens weitgehend auflösen. Ich habe im überarbeiteten Text versucht, Vera Kings und Hartmut Rosas Argumentation nachzuzeichnen und dieser die Einschätzung von Hartmut Böhme entgegengesetzt, der aus kulturwissenschaftlicher Perspektive erklärt, dass gesellschaftliche Umbrüche schon immer als Beschleunigung erfahren wurden und dass der Mensch evolutionsgeschichtlich über erhebliche Anpassungsfähigkeiten verfügt.

    Bildung

    Bezüglich des Bildungsbegriffs haben Matthias Andrasch und Martin Lindner auf den strukturalen Bildungsbegriff von Jörissen/Marotzki hingewiesen. Stefan Iske hat darüber hinaus auf die transformatorische Bildungstheorie von Hans-Christoph Koller aufmerksam gemacht, die für mich eine spannende Neuentdeckung war. Beide Ansätze habe ich in einem zusätzlichen Absatz kurz erläutert und zur von mir vorgeschlagenen Definition in Beziehung gesetzt. Klaus Meschede plädierte dafür, ganz auf die Begrifflichkeiten Bildung und Innovation zu verzichten, diesem Vorschlag bin ich nicht gefolgt. Hier die Online-Diskussion dazu: #comment-67

    Didaktik

    Das Theorie-Praxis-Problem der Didaktik habe ich etwas ausführlicher herausgearbeitet, indem ich mit Dewey und Hetzel pragmatistisch argumentiere, dass wissenschaftliche Theorie nur eine besondere Form der Praxis ist. Der Praxisbegriff bei Dewey wird kurz erläutert und von Habermas´s Theorie kommunikativen Handelns – auf die Frieder(IttnerFA) in der Online-Diskussion hingewiesen hatte – abgegrenzt. Die strukturalen Aspekte von Bildung und Didaktik, auf die Stefan Iske mehrfach hingewiesen hat, sind aus meiner Sicht mögliche, aber nicht zwingende, Analysemöglichkeiten, die den Disput zwischen Lehr-Lernforschung und Allgemeiner Didaktik nicht wirklich auflösen.

    Design

    Wenn wir von Didaktischem Design reden, müssen wir natürlich auch den Design-Begriff klären, worauf Martin Lindner aufmerksam gemacht hat. Aus Zeitgründen und weil die Beschreibung für meine Argumentationslinie sehr treffend ist, habe ich hier einfach aus dem Wikipedia-Artikel zum Thema Design zitiert. Zudem habe ich diesen Abschnitt um Flechsigs Definition des Didaktischen Designs ergänzt.

    Komposition

    Zum Schlagwort »Komposition« hat Stefan Iske ein schönes Zitat von Nam June Paik beigetragen, dass zwar nicht Eingang in den Text gefunden hat, aber weil es so schön ist, soll es hier nochmal vorgetragen werden: “Es ist nicht das Wichtigste, neue Dinge zu entdecken, es ist das Wichtigste, neue Beziehungen zwischen existierenden Dingen herzustellen.”

    Output-Orientierung

    Das Thema Output-Orientierung (Bildungsstandards, Zensuren, etc.) habe ich im Text nicht weiter vertieft, weil da so viele Argumente auszutauschen wären, dass es schwer würde, eine transparente Argumentationslinie aufrecht zu erhalten. Vielleicht ist das ja ein Thema für eine spätere Publikation. Hier stattdessen der Link zur Online-Diskussion zu diesem Thema: #comment-40

    Lebenslänglich

    Zum Schluss noch ein paar Sätze von mir und Nicole D. dazu, warum ich den von Martin Lindner in Erinnerung gebrachten Begriff „Lebenslanges Lernen“ so ungerne benutze: #comment-24

    Flechsig

    Absolut spannend war für mich im Nachgespräch zum Vortrag, was Stefan Iske über Karl-Heinz Flechsig berichtete, den er noch persönlich an der Hochschule kennenlernen konnte: Flechsig hat sich wohl mehrfach empört darüber geäußert, dass sein in der Didaktik entwickelter Begriff des »Didaktischen Designs« von Vertretern der Instruktionspsychologie gekapert und uminterpretiert wurde. Vielleicht kann der hier vorliegende Artikel einen Beitrag dazu leisten, »Didaktisches Design« wieder zurück zu erobern und für die Lehrerbildung fruchtbar zu machen … Ich bin gespannt auf die weitere Diskussion.

    Zitationsweise:
    Neuhaus,W. (2012). Didaktisches Design und die Transformation von Wissen im digitalen Zeitalter. Blog Mediendidaktik. Retrieved June 18, 2012, from https://mediendidaktik.org/docs/didaktisches-design-neuhaus.pdf

  • Download des Artikels über mediendidaktik.org
  • Der Foliensatz zum Vortrag:

    Didaktisches design-2012-05-16 from Wolfgang Neuhaus

    Köln, 16.5.2012
    Ringvorlesung: Transformationsprozesse der Didaktik – Lehren und Lernen im medialen Wandel, Uni Köln

    Visionäre gesucht !

    Donnerstag, 14. Juni 2012

    Das mediaCube-Projekt des Medieninnovationszentrums Babelsberg (MIZ) sucht Teams mit Visionen, die ein Interesse daran haben, neue Medienformate und -technologien mit einem konkreten Nutzen für die allgemeine Öffentlichkeit zu entwickeln. Für Studierende höherer Semester und freischaffende Entwickler aus dem Raum Berlin-Brandenburg bietet das MIZ sowohl professionell ausgestattete Räumlichkeiten für ein Jahr als auch Produktionszuschüsse für die Realisierung innovativer Ideen. Bewerbungsschluss ist der 30.6.2012.

    Weitergehende Informationen:

  • Ausschreibung (PDF)
  • Projekt-Homepage

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