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Artikel-Schlagworte: „Lernen“

Directory of Learning Tools

Montag, 8. Juni 2009

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Jane Harts Directory of Learning Tools hat im Laufe der Jahre einen erheblichen Umfang angenommen. Über 3000 Online-Werkzeuge werden inzwischen dort gelistet. 2276 dieser Tools können kostenlos teilweise als Web-Service, teilweise als downloadbare Software genutzt werden. Von Bookmarking-Tools, Blogs, Wikis, Mindmapping bis zu Präsentations- und Conferencing-Tools findet man alles, was das Herz begehrt.

Die Macht technologischer Innovationen

Donnerstag, 12. März 2009

Wenn man sich die folgenden Zitate ausgewiesener Experten im Bereich des E-Learnings vor Augen führt, dann wundert man sich doch, wie naiv offensichtlich Verantwortliche in Drittmittelgebenden Stellen mit dem Innovationsbegriff umgehen. Während Andrea Back eine disruptive Innovation im Bereich des E-Learnings postuliert, kämpft die ganze Branche darum, überhaupt noch ernst genommen zu werden. Und der Drittmittelgeber erwartet mindestens „Semantische Netzwerke“ oder „Microblogging“, alles andere ist nicht innovativ. Wäre es nicht höchste Zeit, sich beim Medieneinsatz in so sensiblen Feldern wie Schule, Hochschule und Weiterbildung an pädagogisch begründeten, didaktischen Erneuerungen zu orientieren und nicht an der Technologie als Selbstzweck?

Disruptive Innovation, Foto: Phil Balchin

Foto: Phil Balchin, Creative Commons License

Wer glaubt noch an die immer wieder neu ausgerufenen technologischen Revolutionen, die ihr Versprechen im Kontext der Bildung nie einhalten konnten?

2002: Rolf Schulmeister
„Die meisten experimentellen Vergleiche von Unterrichtsmethoden erzielen keine signifikanten Ergebnisse, und die wenigen signifikanten Resultate widersprechen sich gegenseitig“ (Schulmeister, 2007, S. 363)

2004: Gerhard Tulodziecki
„Insgesamt zeigen die vielen Studien zu generellen Medieneffekten (als Vergleich zwischen medienunterstützten und herkömmlichen – personal vermittelten – Lehr- und Lernprozessen), dass nicht von einer grundsätzlichen Überlegenheit des Lernens mit Medien gesprochen werden kann“ (Tulodziecki/Herzig, 2004, S. 81)

2006: Gabi Reinmann
„Es liegt auf der Hand, dass E-Learning bis dato keine umwälzenden Veränderungen nach sich zieht und damit keine Innovation ist, die sich mit der Erfindung und Etablierung der Eisenbahn oder mit der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichen ließe.“ (Reinmann, 2006, S. 32)

2007: Michael Kerres
„Die Erwartungen an die in den letzten Jahren besonders diskutierten digitalen und interaktiven Medien sind vielschichtig. Besonders verbreitet ist die Hoffnung, dass der Einsatz digitaler Medien bessere Lernleistungen erzielt und dies mit einer höheren Effizienz, d.h. Lernergebnisse mit letztlich geringeren Aufwändungen erzielen zu können. Beide Annahmen finden durch die Forschung bislang eher wenig Unterstützung. Es muss vielmehr davon ausgegangen werden, dass im Durchschnitt betrachtet Lernerfolg eher unabhängig ist von dem gewählten Mediensystem. Eine mögliche Kostenersparnis bei gleich bleibendem Lernerfolg (!) ist darüber hinaus bisher überraschend selten systematisch nachgewiesen worden“. (Kerres, 2007, S. 3)

  • Kerres, M. (2007). Mediendidaktik. In F. von Gross, & K. – U. Hugger (Eds.), Handbuch Medienpädagogik. Wiesbaden: VS Verlag.
  • Reinmann, G. (2006). Ist E-Learning eine pädagogische Innovation? In R. Arnold, & M. Lermen (Eds.), elearning-Didaktik (Vol. 48). Hohengehren: Schneider Verlag.
  • Schulmeister, R. (2007). Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. München: Oldenbourg Verlag.
  • Tulodziecki, G., & Herzig, B. (2004). Mediendidaktik: Medien in Lehr- und Lernprozessen. In Handbuch Medienpädagogik (Vol. 2). Stuttgart: Klett-Cotta.

Interaktive Praktikumsexperimente

Dienstag, 3. März 2009

Rotationsverdampfer, Foto: Wolfgang Neuhaus

In Absprache mit Lehrenden aus den Fachgebieten Chemie, Biologie, Veterinärmedizin und Physik unserer Universität (FU Berlin) entwickeln wir derzeit online verfügbare, fotorealistische, interaktive Praktikumsexperimente.

In den naturwissenschaftlichen Fächern sind Praktika sehr bürokratisch organisiert, so dass Studierende ein Experiment häufig nur ein einziges Mal im Zuge ihres Studiums durchführen können. Interaktive Bildschirmexperimente (IBE), die das Praktikumsexperiment virtuell nachvollziehbar machen, erlauben es Studierenden zur Reflexion, zur Vorbereitung von Prüfungen oder zur Vertiefung, das Experiment zu jeder Zeit realitätsnah zu wiederholen. Das von Dr. Jürgen Kirstein entwickelte Konzept der IBE wird im Bereich der Physik schon seit einigen Jahren erfolgreich angewendet. Hier einige Beispiele aus der Physik: Beispielproduktionen

Zur Produktion der IBE setzen wir professionelle Video- und Foto-Technologie ein. Hier einige Impressionen einer Aufnahmesession in der Veterinärmedizin: Foto-Galerie. Die realitätsnahe Interaktivität wird mit Actionscript-Programmierung in Flash realisiert. In einem Pilotprojekt, das ich koordiniere, planen wir bis zum Jahresende bis zu zwanzig Experimente in den genannten naturwissenschaftlichen Fächern zu produzieren. In Zukunft wird es die Möglichkeit auch für andere Universitäten geben, entsprechende Experimente produzieren zu lassen. Die Ausgründung einer Firma, die solche Aufträge umsetzt, läuft derzeit auf Hochtouren.

Web 2.0 : E-Learning-Reform oder mediendidaktische Innovation ?

Donnerstag, 26. Februar 2009

Slide: Wolfgang Neuhaus

Als Reaktion auf meinen Blog-Beitrag „Innovationsbremse E-Learning“ bat mich Andrea Back, ihre Vorbereitungen für eine Keynote auf dem Swiss eEducation Forum zu kommentieren. Im Blog-Eintrag ihrer Forschungswerkstatt werden Belege dafür zusammengestellt, dass die disruptiven Elemente des Web 2.0 die herkömmlichen Grundlagen des E-Learnings verdrängen.

Aus der Perspektive von Unternehmen und Hochschulen wirkt die Abkehr von den bolidenhaften Learning-Management-Systemen hin zu nutzerzentrierten, sozial vernetzten und individuell kombinierbaren Web 2.0-Lösungen vermutlich wirklich disruptiv, möglicherweise auch innovativ. Aus Perspektive einer konstruktivistisch verstandenen Mediendidaktik werden vor allem Chancen sichtbar: Die Wiederentdeckung des sozialen Lernens im Web 2.0 bietet viele Ansatzpunkte für eine nachhaltige, mediengestützte Pädagogik, die stark genug ist, die theoretischen Verkrustungen des Instruktionsdesigns abzuschütteln.

Ob wir hier aber von einer wirklichen Innovation sprechen können, hängt aus meiner Sicht auch davon ab, wie sich Akteure, Multiplikatoren und vor allem Lehrende und Lernende in der Praxis verhalten und wie die Web 2.0-Elemente in die Lehr- und Lernpraxis integriert werden. Die von Andrea Back beschriebenen Merkmale einer Web 2.0-getriebenen Netzkultur sind aus meiner Sicht nicht ohne weiteres auf die institutionellen Bedingungen des Lehrens und Lernens übertragbar.

Ein Blick auf vergangene Entwicklungsetappen der E-Learning-Branche zeigt, dass trotz der Implementation umfassender technologischer Infrastrukturen in den Bildungsinstitutionen das E-Learning auf vergleichsweise geringe Akzeptanz stößt.
Zudem wirkt ein Blick auf die zahlreichen Vergleichsstudien recht ernüchternd. Die zentrale Ursache dafür, dass es sich bei vielen E-Learning-Hypes der letzten Jahrzehnte eben nicht um wirkliche Innovationen handelte, liegt nach meiner Ansicht darin, dass es eine erhebliche Kluft gibt zwischen den ständig um sich selbst kreisenden Ansätzen der E-Learning-Branche und der real praktizierten Pädagogik in den Bildungsinstitutionen.

Und hier findet sich dann auch der Ansatzpunkt für eine wirkliche mediendidaktische Innovation: „Der Kern jedes Lernprozesses liegt in der Handlung. Und zwar in der realen Handlung des Lernenden im realen Raum.“ Diese Einsicht bildet bei ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen schon seit langem die Grundlage für die Komposition didaktischer Arrangements. Diese durch eine Vielzahl von Lerntheorien belegte Annahme taucht auch hier und da in den unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Instruktionsdesigns auf, jedoch werden daraus keine adäquaten Konsequenzen gezogen. Handlungen werden hier ausschließlich als abstrakte kognitive Konstrukte verstanden oder eben als Klicks mit der Maus am Monitor. Die Kluft zwischen E-Learning und Learning wird hier unmittelbar deutlich. Und eben auch der Grund, warum das E-Learning sich an der Basis der Bildungsinstitutionen nicht wirklich durchsetzen konnte.

Eine Reform des E-Learnings, bei der bestehende Konzepte des Blended Learning lediglich durch soziale Komponenten des Web 2.0 ergänzt werden, bringt vor diesem Hintergrund keinen wirklichen Fortschritt. Von einer Innovation ließe sich sprechen, wenn es gelänge, mit den nutzerzentrierten, sozial vernetzten Werkzeugen des Web 2.0 direkt an handlungsorientierte Unterrichtspraxis anzuknüpfen. Der Motor einer solchen Innovation wären dann die Lehrerinnen und Lehrer, die auf Grund ihrer praxisorientierten Ausbildung (Referendariat) umfassendes Knowhow bezüglich der Umsetzung handlungsorientierter Aktions- und Sozialformen mitbringen. Diese könnten nun mit Hilfe von Online-Werkzeugen, die hinsichtlich Funktionalität und didaktischer Passung gefiltert wurden, den Handlungs- und Aktionsraum ihrer Klientel über die Seminarraum-Grenzen hinaus erweitern. Lernende an anderen Orten könnten in lokale Lernprojekte integriert werden und umgekehrt. Kompetenzen einzelner – auch virtuell – Beteiligter könnten sich sach- und projektbezogen ergänzen.

Dies wäre eine – vermutlich disruptive – Innovation, weil die bisherigen Systeme des E-Learnings und ihre schwerfällige technologische Infrastruktur abgelöst würden durch ein allgemein-didakisch wohlbegründetes System, das Handlung und soziale Interaktion in den Mittelpunkt der Infrastrukturentwicklung von Bildungsinstitutionen setzen würde.

  • Dewey, J. (1993). Demokratie und Erziehung (Jürgen Oelkers, Ed.). Weinheim und Basel: Beltz.
  • Kerres, M. (2007). Mediendidaktik. In F. von Gross, & K. – U. Hugger (Eds.), Handbuch Medienpädagogik. Wiesbaden: VS Verlag.
  • Kerres, M. de W., C. (2002). Quo vadis Mediendidaktik? Zur theoretischen Fundierung von Mediendidaktik. MedienPädagogik, .
  • Klebl, M. (2006). Entgrenzung durch Medien: Internationalisierungsprozesse als Rahmenbedingung der Mediendidaktik. MedienPädagogik, . Retrieved February 26, 2009, from http://www.medienpaed.com/2006/klebl0607.pdf
  • Kron, F. W., & Sofos, A. (2003). Mediendidaktik (Vol. 2). München: Reinhardt.
  • Reich, K. (2006). Konstruktivistische Didaktik. Weinheim und Basel: Beltz.
  • Reinmann, G. (2006). Ist E-Learning eine pädagogische Innovation? In R. Arnold, & M. Lermen (Eds.), elearning-Didaktik (Vol. 48). Hohengehren: Schneider Verlag.
  • Schelhowe, H. (2006). Medienpädagogik und Informatik: Zur Notwendigkeit einer Neubestimmung der Rolle digitaler Medien in Bildungsprozessen. MedienPädagogik, . Retrieved February 26, 2009, from http://www.medienpaed.com/05-2/schelhowe05-2.pdf
  • Tulodziecki, G., & Herzig, B. (2004). Mediendidaktik: Medien in Lehr- und Lernprozessen. In Handbuch Medienpädagogik (Vol. 2). Stuttgart: Klett-Cotta.

Wie lernen Menschen?

Freitag, 20. Februar 2009

Vielleicht hilft ein Blick in die Tiefenregionen des Hippocampus? Schließlich geht die Gehirnforschung davon aus, dass sich im Hippocampus des erwachsenen Gehirns neue Verbindungen zwischen bestehenden Nervenzellen bilden können. Verbindungen, die direkt mit dem Erwerb neuer Gedächtnisinhalte in Zusammenhang gebracht werden. Ich bin kein Gehirnforscher, aber zur Zeit

Hippocampus - Virtuelles Präparat - zoombar - Universität des Saarlandes, Prof. Bock

arbeiten wir hier an einem sehr spannenden Projekt zur Virtuellen Mikroskopie, da liegt es irgendwie nahe, auch mal über den Tellerrand zu lugen. Wenn Ihr Browser über ein aktuelles Flash-Plugin verfügt ( Version 9 oder höher ), können Sie durch Klick auf das Foto, das virtuelle Präparat – ein Schnitt durch den Hippocampus – durchzoomen, wie Sie es z.B. mit Google Earth gewohnt sind.

Unsere KollegInnen hier aus der Veterinärmedizin verfügen über ein „ScanScope“, mit dem histologische Präparate mit bis zu 400-facher Vergrößerung gescannt werden können, die dann mit Hilfe von „Zoomify“ auch im Internet verfügbar gemacht werden können. Das oben gezeigte Präparat stammt von der Universität des Saarlandes: Institut für Anatomie und Zellbiologie.

Ok, eine Antwort darauf, wie Menschen lernen, lässt sich durch das Durchzoomen vermutlich nicht geben. Ein Blick in die Wikipedia liefert immerhin schon einige grundsätzliche Erläuterungen zu den Lernvorgängen, den Hippocampus betreffend.

Tiefere Einblicke in die Gehirnforschung werden mir vermutlich die folgenden Bücher geben, die – teilweise noch unberührt – auf meinem Schreibtisch lauern:

  • Kandel, E. R. (2006). Auf der Suche nach dem Gedächtnis. München: Siedler Verlag.
  • Mainzer, K. (1997). Gehirn, Computer, Komplexität. Heidelberg: Springer.
  • Roth, G. (2003). Aus Sicht des Gehirns. Frankfurt: Suhrkamp.
  • Spitzer, M. (2009). Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.