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Archiv für Juni 2009

Wohin mit den Learning Management Systemen?

Donnerstag, 18. Juni 2009

Lehrer benötigen schlanke, effiziente Werkzeuge, um ihre Lernumgebungen auch adhoc mit produktiven oder kommunikativen Elementen anreichern zu können. Learning Management Systeme kommen da zu bolidenhaft daher, Sie sind kaum geeignet, der komplexen Vielfalt alltäglicher Lernsituationen in Schule und Hochschule gerecht zu werden.

moodle-logo-2

Mit diesem Erfahrungswissen im Hinterkopf – erarbeitet durch zahlreiche Modellprojekte mit Moodle-Plattformen und mehrjähriger Erfahrung mit dem Blackboard-LMS in unterschiedlichsten Lehrkontexten an der Freien Universität Berlin – wurde ich gebeten für das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin- Brandenburg (LISUM) auf einer Fachtagung zum Thema Lernmanagementsysteme, deren didaktischen Nutzen darzustellen …

Da das Bildungsministerium in diesem Zusammenhang nicht unerhebliche Summen für die Medienentwicklungsplanung speziell für die Brandenburger Gymnasien in Aussicht gestellt hat, bemühte ich mich darum, das Thema diplomatisch anzugehen. So wies ich neben meiner grundlegenden Kritik am E-Learning Begriff und den damit assoziierten Praktiken auch auf die Stärken dieser Systeme hin. Diese bestehen für mich vor allem darin, dass es möglich ist, Dokumente gruppenspezifisch zugänglich zu machen und die eingetragenen Teilnehmer eines Kurses mit einem Klick per E-Mail zu erreichen. Die meisten darüberhinausgehenden Funktionen wie z.B. Wiki-Funktionalitäten, Blogging, E-Portfolio, Tests, Kalender etc. werden in der Regel durch – häufig kostenlose – Systeme und Services sehr viel professioneller bereitgestellt als das in den gängigen Learning Management Systemen möglich ist. Die entsprechenden Alternativen stellte ich auf einem dekiwiki unserer Wikifarm zur Verfügung, das für mich auch gleichzeitig ein gelungenes Beispiel einer effizienten Nutzeroberfläche darstellt (z.B. : Seitenüberschriften werden automatisch als Navigationspunkt in der korrekten Navigationshierarchie dargestellt).

Die Anwesenden Vertreter der LMS-Anbieter (Fronter, Edunex, Moodle, Lonet, Vcat) waren keineswegs amüsiert und konterten u.a. : Learning Management Systeme ermöglichen innovative und kreative Praktiken, mit denen – differenziert nach Leistungsstand – Schülern passgenaue Lernangebote gemacht werden können. Meine Antwort auf diese Replik stellte die Anwesenden Vertreter der E-Learning Industrie dann ruhig: „Binnendifferenzierung ist tatsächlich eine Innovation, aber keine Innovation der E-Learning-Branche oder der LMS-Produzenten sondern eine Innovation der klassichen Pädagogik, die sich in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts durchsetzte und die seitdem für viele Lehrer zum Standardrepertoire gehört.“

Einen durchaus interessanten Vorschlag machte der Moodle-Vertreter: Learning Management Systeme sollten besser Schul-Management-Systeme oder ähnlich genannt werden, da es bei diesen Systemen primär nicht um das Lernen direkt geht sondern um die strukturelle Unterstützung entsprechender Prozesse. Vielleicht liegt hier tatsächlich eine zukünftige Verwendungsform dieser Systeme. Sie könnten, da ihre Struktur ohnehin stärker an den hierarchichen Strukturen von großen Institutionen wie Schulen, Universitäten oder Großunternehmen orientiert sind, eher als Verwaltungsinstrumente dienen, denn als Unterstützungssysteme für die konkrete pädagogische Praxis.

Mein Vortrag gliederte sich in vier Abschnitte: (1) Lerntheorie und Allgemeine Didaktik (2) Medienwahl (3) Didaktische Funktion (4) Einsatzszenarien. Diese Abschnitte wurden konotiert durch einen Diskurs zur parallelen und dennoch weitgehend berührungslosen Entwicklung von E-Learning und Lehrerbildung, der durchaus einige Aha-Effekte bei den anwesenden Gymnasiallehrern auslöste.

  • Foliensatz : Learning Management Systeme für die schulische Praxis
  • Begleitendes Wiki, das gerne als Sandbox genutzt werden kann
  • Kostenloses Dekiwiki als Webservice: mindtouch Express
  • Fachtagung Lernmanagementsysteme (LMS) eine Perspektive für Medienentwicklungsplanung?
  • Social Media, 1950 bis 2009

    Mittwoch, 10. Juni 2009

    Foto by Mark Bernay @phonetrips

    Vom Phone Phreaking in den 50igern über das Erwachen des World Wide Web in den 90igern bis zu Google Wave in der nahen Zukunft dokumentiert Brett Borders in seinem Blog alle wichtigen Stationen technologisch gestützter, sozialer Vernetzung. Eine wirklich inspirierende, museale Zusammenstellung:

  • A Brief History Of Social Media
  • Directory of Learning Tools

    Montag, 8. Juni 2009

    directory-of-learning-tools

    Jane Harts Directory of Learning Tools hat im Laufe der Jahre einen erheblichen Umfang angenommen. Über 3000 Online-Werkzeuge werden inzwischen dort gelistet. 2276 dieser Tools können kostenlos teilweise als Web-Service, teilweise als downloadbare Software genutzt werden. Von Bookmarking-Tools, Blogs, Wikis, Mindmapping bis zu Präsentations- und Conferencing-Tools findet man alles, was das Herz begehrt.

    Vermittlungsprozesse sind keine Lernprozesse

    Donnerstag, 4. Juni 2009

    Foto by Yata, published under a Creative Commons Licence

    Vermittlungsprozesse sind ohne Medien nicht denkbar. Jede Zeit hat ihre Medien mit denen sie vertraut ist. Multimedia, Internet und die vielfältigen webgestützten Werkzeuge gehören heute genauso zum allgemeinen Medien-Repertoire wie das Buch, das Schreibheft oder das Tafelbild. So ist es in jedem Falle sinnvoll, solche Medien im Unterricht einzusetzen, zu denen Studierende und Lernende einen leichten Zugang haben. Wenn allerdings die durch den Einsatz von Medien ausgelösten Vermittlungsprozesse gleichgesetzt werden mit dem Lernprozess, dann wird es problematisch. Denn der Lernprozess ist sehr viel komplexer als das, was während der Nutzung eines Mediums abläuft. Er ist auf vielfältige Art und Weise mit Erfahrungen, Handlungen und sozialen Interaktionen jenseits des Bildschirms, des Buches oder des Tafelbildes verwoben. Selbst gängige Beschreibungen von Blended Learning Konzepten nehmen hierauf selten Bezug.